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Transgender-Geschichte: Von alten Kulturen bis zum Selbstbestimmungsgesetz

  • Autorenbild: Lizbeth
    Lizbeth
  • 29. Okt. 2025
  • 3 Min. Lesezeit
LGBTQIA*-Bank in München
LGBTQIA*-Bank in München

Die Geschichte von Transgender-Personen ist lang, vielfältig und global verwoben. Auch wenn der Begriff "transgender" erst im späten 20. Jahrhundert entstand, haben Menschen geschlechtliche Grenzen seit jeher überschritten. Ihre Geschichten sind oft nur bruchstückhaft überliefert, doch sie machen deutlich, dass Geschlecht nie so starr war, wie es moderne Normen manchmal erscheinen lassen.

In der Antike

In vielen nicht-westlichen Gesellschaften finden sich Rollen und Traditionen, die geschlechtliche Vielfalt anerkannten. Auf dem indischen Subkontinent haben Hijras eine jahrhundertealte Geschichte als drittes Geschlecht, mit kultureller und spiritueller Bedeutung. In nordamerikanischen indigenen Gesellschaften gab es vielfältige Identitäten, die heute oft unter dem Begriff "Two-Spirit" (siehe Wikipedia) zusammengefasst werden. Auch in Afrika sind Rollen dokumentiert, in denen Menschen jenseits des binären Geschlechts agierten. Diese Traditionen zeigen, dass Transgender-Erfahrungen kein modernes Phänomen sind, sondern global in ganz unterschiedlichen kulturellen Kontexten vorkommen.

Seit dem 17. Jahrhundert

In Europa und Nordamerika hingegen wurden geschlechtliche Nonkonformitäten häufig in Einzelfällen sichtbar. Oft wenn Personen durch Gerichte oder Skandale ins öffentliche Interesse rückten. Ein Beispiel ist Thomas(ine) Hall (siehe Wikipedia), eine Person, die im 17. Jahrhundert in der Kolonie Virginia sowohl männliche als auch weibliche Rollen lebte. Thomas(ine) weißte sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsmerkmale auf und ein Gericht urteilte, dass Thomas(ine) sowohl männliche als auch weibliche Kleidung gleichzeitig tragen müsse. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es weitere Fälle von Menschen, die dauerhaft in einer anderen Geschlechterrolle lebten, darunter der US-Soldat Albert Cashier oder Frances Thompson (siehe Wikipedia), eine schwarze Transfrau, die im 19. Jahrhundert in Memphis als Zeugin nach einem Massaker vor dem US Kongress aussagte. 10 Jahre später wurde sie verhaftet, da sie "als Mann" Frauenkleider trug.

Das 20. Jahrhundert

Die moderne Transgeschichte wurde stark durch medizinische Entwicklungen geprägt. Ein zentraler Ort war das Institut für Sexualwissenschaft in Berlin, gegründet 1919 von Magnus Hirschfeld. Dort wurden erste geschlechtsangleichende Operationen durchgeführt, etwa bei Dora Richter (siehe Wikipedia), die als erste bekannte Transfrau weltweit eine vollständige operative Transition erlebte. Auch Lili Elbe erhielt hier Teile ihrer chirurgischen Behandlung. Diese frühen Errungenschaften wurden durch die Zerstörung des Instituts durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 ausgelöscht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg prägten öffentliche Einzelfälle die Wahrnehmung. Christine Jorgensen wurde in den 1950er Jahren in den USA zur bekanntesten Transfrau weltweit, nachdem sie ihre Operation in Dänemark hatte. In Frankreich wurde die Künstlerin Coccinelle zu einer Ikone. Gleichzeitig begannen trans Menschen, sich aktiv gegen Diskriminierung zu wehren. Bereits 1959 protestierten Betroffene beim Cooper’s Donuts Riot in Los Angeles, 1966 kam es zum Compton’s Cafeteria Riot in San Francisco. 1969 schließlich mündeten Polizeirazzien im Stonewall Inn in New York in Aufstände, an denen auch viele trans Frauen of Color beteiligt waren. Diese Ereignisse markieren den Beginn der modernen LGBT+-Bewegung.

In den 1970er und 1980er Jahren entstanden erste Selbstorganisationen von Transpersonen (z.B. FTM International für Transmänner). Gleichzeitig gab es Spannungen innerhalb feministischer und lesbischer Bewegungen, die Transfrauen teilweise ausschlossen. Dennoch wuchs die Sichtbarkeit, und in den 1990er Jahren begann sich international eine trans Bewegung herauszubilden, die stärker politische Rechte einforderte.

Rechtlich entwickelten sich weltweit unterschiedliche Modelle. In einigen Ländern, etwa Argentinien oder Uruguay, wurde die Möglichkeit geschaffen, den Geschlechtseintrag allein auf Basis der Selbstauskunft zu ändern. In Indien wurden Hijras offiziell als drittes Geschlecht anerkannt. In Deutschland trat 1980 das Transsexuellengesetz in Kraft, das Namens- und Personenstandsänderungen nur unter strengen Bedingungen erlaubte. Nach Jahrzehnten von Gerichtsentscheidungen wurde es schließlich durch das Selbstbestimmungsgesetz ersetzt, das seit 2024 in Kraft ist. Damit ist der Geschlechtseintrag per Selbsterklärung möglich, ohne medizinische oder gerichtliche Zwangsauflagen.

Trans* gab es schon immer

Die Geschichte der Transgender-Menschen zeigt, dass geschlechtliche Vielfalt keine neue Erscheinung ist. Sie zieht sich von alten kulturellen Traditionen über frühe Einzelfälle in Europa und den USA bis zu den medizinischen Pionierleistungen in Berlin der 1920er Jahre und den weltweiten Kämpfen für rechtliche Anerkennung. Mit dem Selbstbestimmungsgesetz hat Deutschland nach einem langen Weg einen wichtigen Schritt hin zur Selbstbestimmung getan, doch gesellschaftliche Akzeptanz und Gleichberechtigung bleiben eine fortlaufende Aufgabe.

Eure, Lizbeth

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