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The Danish Girl – Zwischen Kunst, Identität und Leinwandromantik

  • Autorenbild: Lizbeth
    Lizbeth
  • 2. Juli 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 3. Okt. 2025

BR-Cover und BR "The Danish Girl"
"The Danish Girl"

Ein stilles Drama über Mut, Transformation und bedingungslose Liebe

Tom Hoopers The Danish Girl (2015) erzählt die wahre Geschichte von Lili Elbe, eine der ersten bekannten Transfrauen, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von David Ebershoff und getragen von der visuell eindrucksvollen Handschrift des Regisseurs, sehen wir einen Film, der auf den ersten Blick betörend schön ist, aber auf den zweiten Blick einige Fragen offenlässt.

Die gelungene Seite des Films

  • Ästhetik wie aus einer Gemäldegalerie: Hoopers Inszenierung erinnert an impressionistische Malerei. Kalte Farben, symmetrische Bildkompositionen, Lichtführung und Ausstattung wirken wie lebende Kunstwerke, ein idealer Rahmen für die Geschichte zweier Künstler*innen.

  • Musik, die trägt: ein zurückhaltender Score untermalt Lilis und Gerdas gemeinsame Reise, nie aufdringlich, immer atmosphärisch.

  • Gerda als emotionale Säule: Während Eddie Redmayne Lili verkörpert, ist Alicia Vikander als Gerda die heimliche Heldin des Films. Ihre Darstellung einer Frau, die ihren geliebten Partner verliert und dennoch in Liebe bleibt, brachte ihr zu Recht den Oscar ein.

  • Ein Zugang für Mainstream-Publikum: Dass ein Thema wie Transidentität in einem Hochglanz-Oscarfilm verhandelt wird, mag für manche oberflächlich wirken, dennoch erreicht der Film Menschen, welche sich sonst kaum mit dem Thema befassen würden. Der Oscar schadet dabei sicherlich auch nicht.

Der kritische Blick auf den Film

  • Ein oberflächliche Darstellung von Weiblichkeit: Lilis Weg zur Frau wird vor allem über Äußerlichkeiten erzählt: Kleider, Duft, Schminke. Ihre inneren Beweggründe bleiben immer vage. Es entsteht das Bild einer „gespielten“ Frau, was besonders aus der Transperspektive problematisch wirkt.

  • Distanzierte Emotionalität: Trotz aller optischen Schönheit bleibt der Film emotional kühl. Viele Szenen wirken inszeniert, berühren mehr den Kopf als das Herz.

  • Ein Cis-Mann spielt eine Transfrau: Eddie Redmayne gibt sich große Mühe, aber dass eine Cis-männliche Perspektive die Trans-Erfahrung erzählen (und spielen) darf, empfinde ich als verpasste Chance.

  • Klischeehafte Plot-Elemente: Dass Lili mit dem Frausein auch das Künstlerische „aufgibt“ und sich stattdessen für Seidenkleider und Parfum begeistert, wirkt stereotyp, als würde weibliche Identität durch Hausfrauenästhetik definiert. Es hilft auch nicht, dass Gerda mit den Bildern Lilis Erfolg erlangt.

Meine persönliche Sicht auf The Danish Girl

Gerda und Einar, ein Künstlerpaar aus Kopenhagen, stehen plötzlich vor einem inneren wie äußeren Umbruch. Was als kreatives Spiel beginnt, wird zum existenziellen Wandel: Einar entdeckt, dass er kein Mann ist. Er ist Lili. Und diese Wahrheit verlangt alles von ihm und von Gerda.

Der Film zeigt Lilis Entdeckung ihres wahren Selbst mit ruhiger Hand. Pathos oder plakative Gesellschaftskritik meidet er bewusst. Stattdessen wandert die Kamera wie durch eine Galerie durch kunstvoll inszenierte Szenen. Es ist, als würde man der Geschichte lauschen, während im Hintergrund ein leises Orchester spielt.

Was mich besonders bewegt: Der Fokus liegt nicht auf Feindbildern oder Skandalen, sondern auf der inneren Wahrheit einer Person. Lili bleibt standhaft, auch wenn Ärzte, Psychologen und selbst ihr eigener Körper sie als „krank“ erklären wollen. Sie geht diesen Weg, bis zum bitteren Ende.

Eddie Redmayne spielt diese Wandlung intensiv, mit Feingefühl und äußerlicher Präzision. Was der Film allerdings vermissen lässt, ist eine tiefere emotionale und dramatische Kurve. Die Beziehung wirkt in der Krise fast zu harmonisch, die Konflikte könnten stärker gezeichnet sein. Und trotzdem bleibt The Danish Girl ein sehenswerter Film: ruhig, bildgewaltig, anders.

Zwischen Schönheit und mangelnder Tiefe

The Danish Girl ist ein Film voller Widersprüche: visuell opulent, thematisch bedeutend, aber emotional distanziert. Er bietet keinen realistischen Einblick in das Erleben von Transfrauen, aber immerhin eine erste Annäherung für viele Menschen, die bisher keinen Zugang zu diesem Thema hatten.

Für manche ist das zu wenig, für andere ein Anfang. Und vielleicht braucht es beides: Kunst, die bewegt, und Kritik, die fordert.

Empfehlung: Wer keine dokumentarische Tiefe, sondern ein kunstvoll inszeniertes Drama mit historischem Hintergrund sucht, wird hier fündig. Und wer sich berühren lässt, findet vielleicht sogar zwischen den Bildern ein Stück Wahrheit.

Trotz aller Kritik, dieser Film ist ein Schritt in die richtige Richtung und definitiv sehenswert. Liebevoll gestaltet bringt der Film das Thema Transsexualität der breiten Masse ein Stück näher.

An dieser Stelle sei geschrieben: Danke an meine Partnerin, welche mich auf meinem Weg begleitet und unterstützt. Auch sie hatte keine Ahnung, was auf sie zukommt und dennoch liebt sie den Menschen in mir - egal ob männlich oder weiblich! Sie war es, die mir diesen Film geschenkt hat. ❤️

Eure, Lizbeth

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