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Gute Unterstützung für trans Kinder und Jugendliche

  • Autorenbild: Lizbeth
    Lizbeth
  • vor 1 Tag
  • 9 Min. Lesezeit
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Trans Kinder und Jugendliche brauchen keine Sonderbehandlung, sondern verlässliche Erwachsene, sichere Orte und ein Gesundheitswesen, welches sie ernst nimmt. Obwohl es einfach klingt, gestaltet sich die Realität oft schwierig, da sie überdurchschnittlich häufig Stigmatisierung, Ablehnung und Unsicherheit erfahren. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass Akzeptanz, stabile Bindungen, eine aufmerksame Schule und fachkundige, ruhige Begleitung psychische Belastungen deutlich reduzieren können. Genau darum geht es in diesem Artikel: Was trans Kindern und Jugendlichen brauchen, was wir wissen, wo Zweifel bestehen und wie Bezugspersonen praktische Unterstützung bieten können. (siehe: World Professional Association for Transgender Health Standards of Care for Transgender and Gender Diverse People, Version 8 Frequently Asked Questions (FAQs))

1. Wer sind trans Kinder und Jugendliche?

Trans Kinder und Jugendliche sind Personen im Jugendalter, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt oder die damit nicht vollständig übereinstimmt. „Gender-diverse“ Kinder werden laut der American Academy of Pediatrics (AAP) wie folgend beschrieben: „with gender behaviors, appearances or identities that do not align with those culturally assigned to their birth sex“. (siehe: healthychildren.org: AAP Policy Statement Urges Support and Care of Transgender and Gender-Diverse Children and Adolescents). Zahlreiche Menschen nutzen Selbstbezeichnungen wie trans, nicht binär oder genderdivers, und nicht alle können oder möchten sich frühzeitig festlegen. Die Geschlechtsidentität ist kein kurzlebiger Trend, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Persönlichkeit, welcher sich im Laufe von Kindheit und Jugend entwickeln, klären und verändern kann.

Vor der Pubertät stehen bei Kindern ausschließlich soziale Aspekte im Vordergrund. In den WPATH‑Standards of Care 8 (SOC 8) wird zusammengefasst, dass „the only form of gender-affirming care for children before puberty is social support, such as allowing a child to choose clothing, hairstyles, or use of a different name that more closely aligns with their gender identity“ (siehe: World Professional Association for Transgender Health Standards of Care for Transgender and Gender Diverse People, Version 8 Frequently Asked Questions (FAQs)). Medizinische Eingriffe sind in diesem Alter also nicht relevant, es geht vielmehr darum, ob ein Kind beispielsweise einen anderen Namen verwenden, andere Pronomen erhalten oder Kleidung tragen möchte, die seinem Erleben besser entspricht. Entscheidend ist ein Rahmen, der es dem Kind ermöglicht, die eigene Identität ohne Druck in irgendeine Richtung zu erkunden.

Bei Jugendlichen in der Pubertät und danach gestaltet sich die Situation komplizierter. Die WPATH SOC 8, die AAP‑Stellungnahme und die deutschsprachige AWMF‑S2k‑Leitlinie zu Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen betonen alle, dass eine sorgfältige, multidisziplinäre Bewertung notwendig ist, bevor medizinische Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Diese eint, dass sie die Realität erheblicher psychischer Belastung ernsthaft anerkennen, zugleich jedoch ein individualisiertes und behutsames Vorgehen empfehlen (siehe: AWMF: Leitlinie).

2. Psychische Gesundheit: Belastungen, Schutzmechanismen und die Evidenzlage

Studien zeigen, dass trans Jugendliche häufiger depressive Symptome, Angststörungen und Suizidgedanken aufweisen als ihre Peers, welche nicht-trans sind. Die gegenwärtig beobachtete Zunahme der Belastung ist nicht auf die Identität selbst zurückzuführen, sondern auf die Reaktionen der Umwelt: Stigmatisierung, Mobbing, Gewalt, Ausschluss und fehlende Affirmation spielen eine entscheidende Rolle beim Minderheitenstress. In den SOC-8-FAQs wird ausdrücklich ein „great risk for developing mental health, physical problems and difficulties in relationships due to stigma, discrimination, and gender minority stress“ für TGD-Jugendliche genannt (siehe: World Professional Association for Transgender Health Standards of Care for Transgender and Gender Diverse People, Version 8 Frequently Asked Questions (FAQs)).

Die positive Nachricht ist: Psychische Belastung muss nicht immer der Fall sein. Eine häufige zitierte Studie zu sozial unterstützten trans Kindern bringt im Abstract zum Ausdruck: „psychopathology is not inevitable within this group“. Anders ausgedrückt: Bei passenden Umfeldfaktoren kann psychische Gesundheit erreicht werden. Die AAP bringt dies im Hinblick auf Eltern prägnant zum Ausdruck: „accepting a child's affirmed gender identity and expression can decrease the risk of future psychiatric problems“ (siehe: American Academy of Child and Adolescent Psychiatry: Transgender and Gender Diverse Youth). Unterstützung von Familie und Umfeld ist kein „Nice to have“, sondern stellt im besten Sinne eine Arbeit an psychischen Schutzfaktoren dar (siehe: JAMA Network: Mental Health Outcomes in Transgender and Nonbinary Youths Receiving Gender-Affirming Care).

Eine umfassende Untersuchung mit trans und nicht-binären Jugendlichen im Alter von 13 bis 20 Jahren, die in einer spezialisierten Genderklinik in den USA behandelt wurden, untersuchte die Auswirkungen des Zugangs zu gender-affirmierender medizinischer Versorgung auf die psychische Gesundheit. In der Anfangsphase traten depressive Symptome und Suizidgedanken häufig auf. Nach einem Jahr stellte sich heraus, dass der Erhalt von Pubertätsblockern oder geschlechtsangleichenden Hormonen mit deutlich geringeren Risiken verbunden war: „receipt of gender-affirming care, including puberty blockers and gender-affirming hormones, was associated with 60% lower odds of moderate or severe depression and 73% lower odds of suicidality over a 12-month follow-up“ (siehe: JAMA Network: Mental Health Outcomes in Transgender and Nonbinary Youths Receiving Gender-Affirming Care). Das bedeutet nicht, dass jede medizinische Intervention für jede Person geeignet ist, aber es zeigt, dass gut begründete, affirmierende Behandlungen einen messbaren Unterschied bewirken können.

3. Fünf Säulen im Alltag: Was Kinder und Jugendliche tatsächlich benötigen

3.1 Ein Ort, der Orientierung bietet, aber keinen Druck ausübt

Viele Familien bewegen sich zwischen zwei Extremen: alles sofort festlegen oder alles abwehren. Eine dritte Haltung, die liebevoll, offen und strukturiert ist, erweist sich als hilfreicher. Ein Positionspapier aus der Pädiatrie legt eine praxisnahe Leitlinie fest: Eltern wird empfohlen, ein Zuhause zu schaffen, „where gender identity is not assumed, stigmatized, or enforced“ (siehe CPA: A home for paediatricians. A voice for children and youth.). Das heißt: Es ist wichtig, nicht ständig zu überprüfen, ob es „ernst gemeint“ ist, nicht dauernd zu korrigieren oder zu diskutieren, sondern zuzuhören, verlässlich zu bleiben und dem Kind sein Tempo zu lassen (siehe: World Professional Association for Transgender Health Standards of Care for Transgender and Gender Diverse People, Version 8 Frequently Asked Questions (FAQs)).

Zur gleichen Zeit benötigen Kinder eine Orientierung. Es ist hilfreich, gemeinsam zu klären, wie das Umfeld informiert werden soll, welche Begriffe das Kind für sich verwenden möchte und was es braucht, um sich zu Hause sicher zu fühlen. Es ist ebenfalls wichtig, Identität und Alltagsprobleme zu differenzieren: Schwierigkeiten in Mathe bleiben Probleme in Mathe; Transsein ist nicht automatisch die Ursache jeder Belastung. Eine derartige Normalität bringt Entlastung.

3.2 Eine Schule, die Sicherheit schafft, anstatt nur Toleranz zu proklamieren

Schule ist ein zentraler Ort für Belastungen: mangelnde Intervention bei transfeindlichen Äußerungen, Debatten über Toiletten, Umkleideräume, Sport, Klassenfahrten und Zeugnisnamen. Dadurch können täglich auftretende Mikrobelastungen entstehen. Die AAP ruft pädiatrische Fachkräfte ausdrücklich dazu auf, sich gegen Diskriminierung in Schule und Gemeinde zu engagieren und Transgender-Kinder vor Abgrenzung zu bewahren. Es ist für Bezugspersonen sinnvoll, frühzeitig mit der Klassenleitung, der Vertrauenslehrkraft oder der Schulsozialarbeit ein möglichst lösungsorientiertes Gespräch zu führen. Dabei sollten folgende Punkte besprochen werden: Wie werden Namen und Pronomen gehandhabt, wie erfolgt der Umgang mit Listen, Ausweisen und Zeugnissen, wie informiert man das Kollegium und die Klasse und wie wird Mobbing sanktioniert?

Dass die Schule konkrete und verbindliche Vereinbarungen trifft, ist wichtiger als wohlklingende Leitbilder. Es sollte für Kinder nicht nötig sein, jeden Tag neu verhandeln zu müssen, welche Toilette sie benutzen dürfen oder wie man sie anspricht. Von ebenso großer Bedeutung ist, wie viel Sichtbarkeit das Kind möchte. In manchen Fällen ist es passend, eine diskrete Regelung zu treffen, die nur mit ausgewählten Erwachsenen besprochen wird. In anderen Fällen ist eine offene, wertschätzende Information an die gesamte Klasse der bessere Weg.

3.3 Peer-Beziehungen und Zugehörigkeitsgefühl

Zugehörigkeit ist für die psychische Gesundheit kein Luxus, sondern ein Schutzfaktor. Mindestens ein Ort, an dem sie nicht fortwährend erklären müssen, weshalb sie so sind, wie sie sind, ist für Kinder und Jugendliche wichtig. Es kann sich um eine Peergruppe in der Schule, eine Jugendgruppe, einen Verein oder auch um eine Online-Community handeln.

Virtuelle Räume können sowohl Risiko als auch Rettungsanker sein. Es ist für Bezugspersonen hilfreicher, interessiert zu begleiten, als reflexhaft jeder Online-Community mit Misstrauen zu begegnen. Ein offenes Gespräch darüber, mit wem das Kind in Kontakt steht, was ihm gut tut und wo es sich unwohl fühlt, fördert sowohl seinen Selbstschutz als auch das Vertrauen.

3.4 Psychische Unterstützung durch Fachkräfte bei Belastung

Laut der deutschsprachigen AWMF S2k‑Leitlinie ist es „unabdingbar“, dass bei Hinweisen auf relevante psychische Auffälligkeiten eine umfassende kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik erfolgt. Sie spricht sich ausdrücklich dafür aus, gezielt „auf das mögliche Vorliegen einer behandlungsbedürftigen Depression, Angststörung sowie auf selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität“ zu achten. Das ist für Angehörige von Bedeutung: Psychische Diagnostik bedeutet nicht automatisch, dass Misstrauen gegenüber Transsein besteht. Sie kann eine sinnvolle medizinische Maßnahme sein, wenn sie affirmativ, respektvoll und ohne Pathologisierung der Identität durchgeführt wird (siehe: AWMF: Leitlinie).

Die therapeutische Arbeit fokussiert sich dann insbesondere auf Minderheitenstress, Selbstwertgefühl, den Umgang mit Mobbing, Depressionen, Ängsten oder den Folgen von Traumata. Familienbasierte Unterstützung wird von internationalen Leitlinien wie WPATH SOC 8 und den AAP‑Empfehlungen als zentral angesehen, da sie die Resilienz stärkt und Missverständnisse innerhalb der Familie bearbeitbar macht. Das Ziel besteht nicht darin, die Geschlechtsidentität zu verändern, sondern die psychische Gesundheit zu fördern und Ressourcen zu stärken (siehe: healthychildren.org: AAP Policy Statement Urges Support and Care of Transgender and Gender-Diverse Children and Adolescents).

3.5 Ein Gesundheitssystem, das ohne Pathologisierung Versorgung ermöglicht

Die Weltgesundheitsorganisation hat mit der ICD‑11 ihren Kurs eindeutig festgelegt: „trans-related and gender diverse identities are not conditions of mental ill-health“ (siehe WHO: Gender incongruence and transgender health in the ICD). Zugleich ist es von Bedeutung, dass Klassifikationen so entworfen werden, dass sie Versorgung und Zugang zu Leistungen fördern, anstatt Barrieren zu schaffen. Für den klinischen Alltag ist diese Balance entscheidend: Transsein nicht als Störung behandeln, aber Gesundheitsbedarfe ernst nehmen, wie bei Dysphorie, psychischen Begleiterkrankungen oder dem Wunsch nach medizinischer Transition (siehe: healthychildren.org: AAP Policy Statement Urges Support and Care of Transgender and Gender-Diverse Children and Adolescents).

Die AWMF‑Leitlinie und internationale Standards empfehlen, dass Diagnose und Indikationsstellung nicht als Gatekeeping betrachtet werden, sondern als gemeinsame, informierte Entscheidungsprozesse. Es gehört auch dazu, Unsicherheiten deutlich zu benennen, anstatt falsche Sicherheit zu vermitteln (siehe Taylor & Francis: Standards of Care for the Health of Transgender and Gender Diverse People, Version 8.)

4. Medizinische Optionen: soziale Schritte, Pubertätsblocker, Hormone

4.1 Soziale Schritte

Soziale Aspekte wie Name, Pronomen, Bekleidung, Haarschnitt und Rollen in der Peergroup stellen oft die ersten Veränderungen dar. Sie sind nicht invasiv und können das Leid deutlich reduzieren, wenn sie vom Umfeld unterstützt werden. WPATH stellt dies für Kinder vor der Pubertät als das Wesentliche der gender-affirmierenden Versorgung dar. Solche Schritte benötigen gleichzeitig einen Schutz im Umfeld, damit aus der Erleichterung keine neue Angriffsfläche entsteht. Wenn Schule oder Familie die neue Anrede nicht respektieren, kann das zusätzliche Scham und Unsicherheit auslösen (siehe: World Professional Association for Transgender Health Standards of Care for Transgender and Gender Diverse People, Version 8 Frequently Asked Questions (FAQs)).

4.2 Pubertätsblocker und Hormone: Vorteile, Gefahren und Unklarheiten

Bei Jugendlichen können Pubertätsblocker verwendet werden, um die körperliche Entwicklung während der Pubertät vorübergehend zu stoppen und Zeit für eine Klärung zu schaffen. Bei anhaltender Geschlechtsidentität und nach gründlicher Abwägung können später geschlechtsangleichende Hormone folgen. Wie ausgeführt, belegt eine prospektive Untersuchung, dass „receipt of gender-affirming interventions, specifically PBs or GAHs, was associated with 60% lower odds of moderate to severe depressive symptoms and 73% lower odds of self-harm or suicidal thoughts during the first year of multidisciplinary gender care“ (siehe: JAMA Network: Mental Health Outcomes in Transgender and Nonbinary Youths Receiving Gender-Affirming Care). WPATH macht auch deutlich, dass „risks for not providing gender-affirming care for TGD adolescents can yield negative mental health outcomes including increased substance use and increased rates of suicidality“ (siehe Clinical Advisory Network on Sex and Gender: WPATH files).

Gleichzeitig ist die Evidenz nicht in sämtlichen Bereichen robust. Ein für den NHS in England erstellter NICE‑Evidence Review bewertet die Sicherheit und Wirksamkeit von Pubertätsblockern bei Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie für viele Endpunkte als „very low certainty evidence“ (siehe Springer Medizin: Pediatric Gender Affirming Care is Not Evidence-based). Bezugspersonen können demnach legitim sowohl Hoffnungen als auch Sorgen hegen. Seriöse Zentren arbeiten interdisziplinär, prüfen die Indikation sorgfältig und bieten intensive Betreuung. Eine gute Versorgung zeigt sich eher durch umfassende Aufklärung, transparente Darstellung von Unsicherheiten, gute Dokumentation und echte Mitentscheidung als durch schnelle Versprechungen. Entscheidungen sollten nicht unter akutem Druck getroffen werden, sondern in einem Prozess, der psychische Stabilität, körperliche Entwicklung, Umfeld und individuelle Belastung berücksichtigt.

Eine evidenzbasierte Zusammenfassung äußert eine bedeutende Warnung folgendermaßen: Den Zugang zu geschlechtsaffirmierender Versorgung mit einem ‚Abwarten und Sehen‘-Ansatz zu beschränken oder Eingriffe vorzunehmen, die darauf abzielen, die Geschlechtsidentität junger Menschen zu verändern, ist nicht evidenzbasiert und schadet der psychischen Gesundheit und dem Wohlbefinden von Jugendlichen. Es existiert ein dritter Weg zwischen „vorschnell“ und „blockierend“: sorgfältig, transparent, umsichtig und affirmierend (siehe: World Professional Association for Transgender Health Standards of Care for Transgender and Gender Diverse People, Version 8 Frequently Asked Questions (FAQs)).

5. Konkrete Unterstützung für Bezugspersonen

Gespräche im häuslichen Umfeld profitieren von Ruhe und Klarheit. Die AAP rät Eltern: „What is most important is for a parent to listen, respect and support their child's self-expressed identity. This promotes open discussions that might be challenging yet essential for the child's mental health and the family's resilience and wellbeing. Praktisch kann dies bedeuten, zuerst nach den Themen zu fragen, die im Alltag am meisten belasten, wie Schule, Familie, Körperbild, Online-Interaktionen oder Freundschaften. Anschließend kann gemeinsam erörtert werden, was sofort geändert werden kann, etwa in Bezug auf Ansprache, Privatsphäre oder Schutz vor herabwürdigenden Äußerungen. Es ist hilfreich, „Check-ins“ zu planen, also gezielt Zeiten für Gespräche festzulegen, ohne dass Transsein zum ständigen Thema wird (siehe: healthychildren.org: AAP Policy Statement Urges Support and Care of Transgender and Gender-Diverse Children and Adolescents).

Zeigt ein Kind oder Jugendlicher Anzeichen starker Belastung, wie Rückzug, Schlafstörungen, Selbstverletzung oder Suizidgedanken, ist es wichtig, schnell professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die AWMF‑Leitlinie hebt hervor, dass in der Diagnostik Suizidalität und selbstverletzendes Verhalten besondere Beachtung finden müssen. In Deutschland stellen bei akuter Krise Notaufnahmen oder der ärztliche Bereitschaftsdienst (116117) wesentliche Anlaufstellen dar, und bei unmittelbarer Gefahr ist 112 zu wählen.

Bei der Zusammenarbeit mit Schulen, Ärztinnen, Ärzten und Therapeutinnen kann es hilfreich sein, eine kurze schriftliche Zusammenstellung mitzunehmen: gewünscht Name, Pronomen, aktuelle Belastungen sowie Wünsche und Grenzen des Kindes. Die AAP rät dazu, TGD-Jugendlichen „access to comprehensive gender-affirming and developmentally appropriate health care“ zu bieten und zugleich familienbasierte Unterstützung bereitzustellen. Bezugspersonen sollten und dürfen nach Erfahrungen mit trans Jugendlichen fragen und auf eine respektvolle Kommunikation bestehen. Wenn Fachleute Kinder beschämen oder deren Identität abwerten, kann ein Wechsel sinnvoll sein (siehe: AWMF: Leitlinie).

Zahlreiche Erwachsene, die es gut meinen, neigen zu einer Überschätzung des Risikos einer „falschen Entscheidung“, während sie das Risiko einer chronischen Belastung durch Nichtglauben, ständiges Infragestellen und fehlenden Schutz vor Mobbing unterschätzen. Kinder sind fähig, mit Unsicherheit umzugehen. Sie kommen mit Abwertung nicht gut klar. Die Datenlage deutet darauf hin, dass ein affirmierendes Umfeld, in dem Fragen offen bleiben dürfen, aber die Identität respektiert wird, psychisch entlastender ist als ein Umfeld, das trans Sein als Problem behandelt.

Eure, Lizbeth

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