Unterhaching bereitet mir Sorgen, München macht Hoffnung
- Lizbeth

- 1. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Bei mir hinterlässt diese Kommunalwahl zwei gegensätzliche Gefühle. In München ist nach vielen Jahren ein Machtwechsel gelungen. Am 22. März 2026 setzte sich Dominik Krause von den Grünen in der OB-Stichwahl mit 56,4 % gegen Dieter Reiter durch. Krause ist damit nicht nur Münchens erster grüner Oberbürgermeister, sondern auch offen schwul. Im Gegensatz dazu wurde die SPD in Unterhaching bereits im ersten Wahlgang deutlich zurückgesetzt, und in der Stichwahl gewann die CSU schließlich mit 52,7 Prozent gegen die Grünen. (siehe Stadt München: Vorläufige Ergebnisse der Stimmen zur Oberbürgermeister ...)
Hoffnung und Sorge sind manchmal sehr nah beieinander. Exakt so empfinde ich diese Wahl.
Ich freue mich tatsächlich auf München. Dort hat sich etwas bewegt. Nach jahrelanger Prägung der Stadt durch die SPD steht nun ein Wechsel bevor. Die offizielle Liste der Münchner Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister verdeutlicht die Prägung der Stadt durch SPD-Oberbürgermeister seit 1948, unterbrochen von einer CSU-Amtszeit zwischen 1978 und 1984. Dominik Krause, bisher Zweiter Bürgermeister, wird nun der erste Oberbürgermeister der Grünen in München. (siehe Stadt München: Stadtspitze - Bürgermeister/-in – Landeshauptstadt München)
Das ruft bei mir Hoffnung hervor. Meiner Meinung nach hat München in den letzten Jahren gelitten. Zu viel Bürokratie, zu wenig Aufbruchsstimmung, zu wenig Courage. Aus diesem Grund sehe ich es als ein positives Zeichen an, dass die Stadt möglicherweise einen anderen politischen Ton anschlagen könnte. Und ja, ich finde es ebenfalls wichtig, dass ein offen schwuler Politiker wie Dominik Krause zum Stadtoberhaupt gewählt wurde. Allein durch Repräsentation werden keine Probleme gelöst. Andererseits ist sie auch nicht unwichtig. Sie demonstriert, wer sichtbar ist, wer dazugehört und wessen Leben in dieser Stadt nicht nur mitgemeint, sondern als selbstverständlich Teil der politischen Realität ist. (siehe Queer.de: München wählt den "BürGAYmeister")
Meine Sichtweise auf Unterhaching ist völlig anders. Im ersten Wahlgang erreichte die SPD dort lediglich 13,8 Prozent. In die Stichwahl zogen Korbinian Rausch (CSU) mit 35,3 % und Johanna Zapf (Grüne) mit 33,9 % ein. Rausch gewann zwei Wochen später die Stichwahl mit 52,7 Prozent gegenüber 47,3 Prozent. (siehe Unterhaching: Ergebnisse Bürgermeisterwahl 2026 in Gemeinde Unterhaching)
Genau dieses Resultat bereitet mir Sorge. Nicht nur wegen der CSU, sondern auch wegen der Botschaften, die in einem solchen Wahlkampf mitschwingen. Wenn mit Familienorientierung geworben wird, kann das ohne böse Absichten gemeint sein. Es kann jedoch auch sehr bewusst mit einem engen, traditionellen Verständnis davon verknüpft werden, wer als normal gilt und wer nicht. Für queere Menschen handelt es sich dabei nicht um eine theoretische Frage. Es stellt sich also ganz konkret die Frage, ob ein Ort als sicher, offen und zukunftsweisend wahrgenommen wird oder nicht.
Hoffentlich stellt sich meine Besorgnis letztlich als unbegründet heraus. Ich würde es mir wünschen. Aber queere Menschen sollten politische Codes genau im Blick haben. Insbesondere an den Stellen, wo nicht klar gegen sie argumentiert wird, sondern eine subtile Einordnung über Normalität, Werte und Familie erfolgt, offenbart sich häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt die tatsächliche Inklusivität eines Ortes.
Deshalb lässt mich diese Wahl mit beidem zurück. In der Hoffnung für München. Und mit einem unguten Gefühl für Unterhaching.
Eure, Lizbeth




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