Genießen oder meiden...
- Lizbeth

- 6. Juli 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 3. Okt. 2025

Harry Potter lesen als Transperson – genießen oder meiden?
Es gibt Bücher, die prägen uns tief – und manchmal sogar lebenslang. Für mich gehören die Harry Potter Romane dazu. Die Romane stellen eine Welt dar, in welcher Außenseiter*innen mutig sind – Liebe stärker ist als Hass. Doch seit J.K. Rowling sich immer wieder öffentlich gegen Transrechte äußert, stehe ich, wie viele andere auch, vor einer unbequemen Frage: Darf ich diese Welt noch genießen? Oder sollte ich sie meiden?
Der innere Konflikt
Es ist ein Zwiespalt, den viele Menschen spüren. Gerade Transpersonen stehen oft unter Druck, klare Haltungen zu zeigen: Wer Rowling liest, gilt schnell als Verräter*in. Wer alles meidet, verliert möglicherweise ein Stück Geborgenheit und Trost.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn hier geht es nicht um richtig oder falsch – sondern um ein Spannungsfeld zwischen Selbstfürsorge, politischer Haltung und literarischer Liebe.
Warum man das Lesen bewusst meiden sollte
J.K. Rowling nutzt ihren Einfluss aktiv gegen Transrechte. Ihre Aussagen bleiben nicht folgenlos – sie werden weltweit verbreitet, verstärken Vorurteile und dienen politischen Akteuren als Argumentationshilfe gegen Transmenschen.
Konsum = Unterstützung? Wer Bücher neu kauft oder Fanartikel erwirbt, trägt unter Umständen dazu bei, dass Rowling finanziell und symbolisch weiter gestärkt wird.
Schmerzvolle Entfremdung: Viele Transmenschen empfinden es als kaum zumutbar, eine Welt zu betreten, deren Schöpferin ihnen das Recht auf Selbstdefinition abspricht.
Warum man trotzdem genießen darf
Die Bücher sind mehr als ihre Autorin. Die zentrale Botschaft von Harry Potter – Freundschaft, Vielfalt, Mut zum "Anders sein" – steht quer zu Rowlings Aussagen. Viele queere Leser*innen haben diese Bücher längst für sich umgedeutet.
Fandom als Widerstand: Es gibt zahllose queere Fanprojekte, queere Fanfiction, queere Re-Interpretationen. Viele sagen: „Wir haben uns Hogwarts zurückgeholt.“
Literarischer Genuss ist persönlich. Niemand sollte gezwungen sein, auf etwas zu verzichten, das Trost, Stärke oder Freude schenkt – besonders dann nicht, wenn man ohnehin schon gegen Diskriminierung kämpft.
Mein Fazit: Ich liebe die Romane und die Filme – und ich entscheide mich für das bewusste Genießen
Ich habe mich persönlich entschieden, die Bücher weiterhin zu lesen und ich nehme mir das Recht, die Magie nicht aufzugeben. Nicht für sie. Sondern für mich.
Für mich ist Hogwarts inzwischen mehr als nur ein geistiges Eigentum. Ich genieße die Romane mit kritischem Bewusstsein, mit einer Portion Wehmut – aber auch mit Liebe.
Genießen oder meiden? Manche Fragen haben keine allgemeingültige Antwort. Aber sie verdienen es, ehrlich gestellt zu werden.
Eure, Lizbeth


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